„Last Christmas I gave you my heart
But the very next day you gave it away…” (George Michael)

Beim Gedanken an Weihnachten das Gesicht von George Michael vor sich zu haben, verlangt nicht viel Phantasie: wie er über den Tisch grinst und seine Herzensdame anschmachtet. Und der Tellerwäscher fragt sich, warum nicht schon damals, als das Video rauskam, jedem klar war, das George Michael schwul ist. So im Nachhinein betrachtet ist sowieso das ganze Video eine Pharse: Er ist im Clip hin und weg von seiner Angebeteten, obwohl er ja den Song höchstwahrscheinlich für einen Typen geschrieben hat. „Aber vielleicht hat er ja ihn ja auch für gar niemand geschrieben“ überlegt der Tellerwäscher, da solches Liebesgesäusel wohl nicht im Augenblick tiefster Gefühlsregungen entstanden sein kann.

George Michael im Video zu "Last Christmas"

George Michael im Video zu "Last Christmas"

Das Bild von George Michael mit diesem weißen Grinsen auf dem Gesicht bekommt der Tellerwäscher einfach nicht aus seinem Kopf, was für ihn eine mindestens genauso große Folter ist, wie „Last Christmas“ als Ohrwurm zu haben. Der Tellerwäscher ist überglücklich, dass ihm der Ohrwurm in diesem Jahr erspart blieb, nicht so wie die Jahre vorher. Aber nur weil er diesmal zwei Wochen vor Weihnachten begonnen hat, Radio- und Fernsehsender mit äußerster Sorgfalt auszuwählen. Nur einmal hat ihn der Song in einer Tanke erwischt - zum Glück ohne Folgen. Obwohl heute der erste Tag nach den Weihnachtsfeiertagen ist, bleibt das Küchenradio aus. Der Tellerwäscher ist sich nicht sicher, ob ein paar Stationen „Last Christams“ nicht gleich bis Heilig Drei König in die Rotation genommen haben.

Nach den Feiertagen bei den Eltern steht er jetzt wieder in seiner Küche und verwirft den letzten Gedanken an George Michael. Er denkt lieber an seinen Lieblingsweihnachtslied: „The Power of Love“ von Frankie Goes To Hollywood. Der ist auch schwul. Aber der Tellerwäscher geht nicht so weit eine Parallele zwischen Schwulen und Weinachtsfans zu ziehen. Denn „The Power of Love“ ist ja eigentlich gar kein Weihnachtssong, nur das Video dazu. „Das musste wahrscheinlich nur herhalten, weil die Plattenfirma noch eine Single für das Weihnachtsgeschäft brauchte“ denkt sich der Tellerwäscher. „Obwohl es ja eigentlich trotzdem den Kern von Weihnachten trifft. Weihnachten als das Fest der Liebe.“

Für den Tellerwäscher hat aber Weihnachten nichts mehr mit Liebe zu tun. Er ist vielmehr ein Weihnachtshasser. Auch aus dem Grund weil für ihn die meisten nur noch irgendetwas kaufen, um ein Geschenk zu haben und nicht jemand eine Freude zu machen. Und weil der Tellerwäscher noch mehr als in den Jahren zuvor keinen Bock auf Weihnachten hatte, hat er sich dieses Jahr einfach den anderen angeschlossen und es genauso gemacht wie sie: einfach irgendwas gekauft oder das gekauft, was die anderen haben wollten.

Aber eins hatte der Tellerwäscher an Weihnachten auch zu feiern: dass die Tage wieder länger werden. So wie das die Heiden früher auch schon an Weihnachten gemacht haben. Und mit den längeren Tagen kann auch er wieder Weihnachten hinter sich lassen und hoffen, dass es im nächsten Jahr schöner wird. Und vielleicht kann er auch irgendwann aus vollster Überzeugung singen:

„I’m dreaming of a white christmas
With every christmas card I write
May your days be merry and bright
And may all your christmasses be white” (Bing Crosby)

January 14, 2009 Comments (2)

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