Der Tellerwäscher hat sich verliebt - in die Österreicherinnen. Er hat sich fest vorgenommen, dass seine nächste Freundin aus Österreich kommen soll. Es hat in völlig unverhofft getroffen. Er ist bei jemand zu Besuch und auf einmal kommen zwei Österreicherinnen vorbei. Sie beginnen zu reden und er weiß, dass er sich sofort in das Liebliche in diesem Dialekt verlieben könnte, weil sie so viel Charakter in die sonst immer mehr glatt gebügelte deutsche Sprache bringen. „Ja etz bin e a wirkle gestan beim Fußbaispui gwäsn und da Schiedsrichta hots einfach ned gsähn“, meinte die eine. Und er ist dabei so von sich selbst überrascht, weil er eigentlich kein so großer Österreicher-Freund war, was vor allem an solchen Typen wie Andreas Goldgeber lag, die in seiner Kindheit deutschen Skispringern die Goldmedaille klauten. Aber das scheint er jetzt für immer hinter sich gelassen zu haben.
Etwas, das er bislang von Österreich auch noch nicht kannte, läuft gerade im Radio. „Soap & Skin“ mit „Spiracle“. Die Österreicher Anja Plaschg, Tochter eines steirischen Schweinzüchters, verarbeitet ihr Leben mit dem allgegenwertigen Tod, auf Englisch und in zutiefst trauriger Musik. Genau das, was Jan Wigger mag. „Den wollte ich schon immer mal kennen lernen“, denkt sich der Tellerwäscher und beschließt gleich sein MySpace-Profil zu korrigieren. Jan Wigger ist freier Musikjournalist und schreibt auch für Spiegel Online in der Rubrik „Die wichtigsten CDs der Woche“. Ein Auszug aus der Rezension zum Debüt-Album von Soap & Skin „Lovetune For Vacuum“:
„… Das Debüt-Album von Soap & Skin dagegen ist gerade für Schmerzpatienten ein Ratgeber in allen Lebenslagen: Immer wieder werden auf dem verzauberten, wohltemperierten Klavier die Herbsttöne angeschlagen, immer wieder erzittert man: “When I was a child/ Peers pushed me hard in my head/ In my neck/ In my chest/ In my waist/ In my butt.” (”Spiracle”). Kein Lichtschalter, nirgends. Und die Pulsadern öffnen sich von ganz allein. …“ (Spiegel Online vom 03.03.2009)
Er fragt sich, wer diese Person denn sein kann. Jedoch Woche liest der Tellerwäscher die Plattenrezensionen auf Spiegel Online und nach dem Grad der Melancholie einer Platte scheint Herr Wigger in letzter Zeit immer mehr seine Punkte zu vergeben. Und es sieht so aus, als ob er immer weiter abzudriften droht. Mittlerweile ist er auch schon ein Fan von Black Metal, was seine Begeisterung für Wolves In The Throne Room widerspiegelt, die ganz unverhofft in den Platten des Jahres bei Spiegel Online auftauchten, obwohl die ansonsten für Indie-Platten reserviert sind. Der Tellerwäscher stellt sich deswegen einen langhaarigen Nerd mit Nickelbrille vor, der Angst vor Sonne hat. Aber auch andere machen sich in Internet-Foren Gedanken darüber, wer denn dieser Jan Wigger sein könnte.
„Anywho…“, meint der Tellerwäscher und macht sich lieber wieder an seinen Abwasch. Dabei fällt ihm ein, dass ja neben den Österreichern auch die Schweizer anscheinend auf einmal gute Musik machen können. Sophie Hunger läuft dem Tellerwäscher ganz unverhofft im Vorprogramm von Camille über den Weg, die ihm auf diese Weise einen Ohrwurm für mehrere Wochen beschert. „Das war ja wieder auch so was von klar, dass das an diesem Abend passieren musste“, realisiert er in diesem Moment. „Pour’que l’amour me quitte“ von Camille war bis vor rund zwei Jahren sein Ohrwurm, der den Tellerwäscher aber danach immer noch nicht ganz verlassen hat, weil er den Song irgendwie immer wieder auf dem Klavier spielen musste. Aber jetzt spielt er den Song nicht mehr, weil ihn „Walzer für Niemand“ von Sophie Hunger ersetzt hat. Und genau an diesem Abend meldet sich eine Person beim Tellerwäscher, von der er schon lange nichts mehr gehört hat und vielleicht auch nicht wollte. „Wer sollte da nicht glauben, dass Musik irgendwie alles verbindet!“
Und ein paar Wochen später steht auf einmal eine gute Freundin von Sophie Hunger auf der Bühne: Evelinn Trouble, die die neue Hoffnung am Schweizer Pophimmel (!!!) sein soll. Aber in den Schweizer Dialekt will sich der Tellerwäscher doch dann trotzdem nicht so recht verlieben, obwohl die Evelinn doch schon Eindruck auf ihn machte, also sie auf einmal neben ihm stand und sich was zu trinken holte. „Anywho…“, unterbricht sich der Tellerwäscher und schrubbt weiter an dem Blech, in dem vorher mal ein Broccoli-Auflauf war. „Aber eine Österreicherin wär schon was, obwohl ne Französin wär auch okay und vielleicht kann die Evelinn Trouble auch Französisch…“

fast täglich hat er hier vorbeigeschaut. er liest sich gern durch die gedanken des tellerwäschers. er weiß aber auch, das gute geschichten zeit brauchen. das warten hat sich gelohnt. bescheiden großartige lektüre. die wigger-rezensionen geb ich mir auch immer gern. die ditto nackt auf dem nme-cover kann man schon mal bringen aber das evelinn trouble video ist sowieso ganz groß. genau wie die foxes. die nehmen wir mit nach skandinavien!
Comment by Axel — July 7, 2009 @ 12:01 am